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November 2000

Einfach anders denken ist einfacher als man denkt!



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Smarter Working? Kein Problem für KMU 21!


Smarter Working KMU 21

Smarter Working KMU 21

Smarter Working ist die intelligente Nutzung der digitalen und Sozialen Technologien, um besser, leichter und schneller Aufgaben im Team mit weniger Energie-, Zeit- und Kostenaufwand voranzubringen. Hinter Smarter Working vollzieht sich aber auch ein Paradigmenwechsel der Arbeitsorganisation des vorigen Jahrhunderts. Smarter Working, auf Deutsch intelligenteres Arbeiten, bedeutet das Ende der Verkettung der Humanressourcen in sterilen, steroptypen und stressigen Arbeitsprozessen im Namen der Produktivität.

Bislang wurden die Humanressourcen im Vorfeld genormt und in normative Prozesse eingebunden. Bewertet wurde der Mensch und seine Leistung nach Zeit, Volumen und Aufwand. Daran ändert sich auch künftig nichts in Unternehmen, die auf kurzfristige Produktivität setzen und Gewinne durch Massenproduktion erwirtschaften. In der konsumintensiven Textil- und Agrarindustrie oder in den unteren Dienstleistungsbereichen, wo Arbeitskräfte noch beliebig austauschbar sind, wird sich so schnell nichts ändern. 60% der Erwerbstätigen können deshalb über den Begriff Smarter Working nur müde lächlen. Von ihnen wird auch keine Kreativität, Innovation und Erfindergeist erwartet, sondern Dienst und Leistung, Pünktlichkeit und Erfüllung der vorgesetzten Aufgaben, Einordnen statt aktives Mitdenken.

Die Webökonomie des 21. Jahrhundert bezieht jedoch ihre Ressourcen aus dem beschleunigten Kreislauf von Daten, Informationen und Wissen. Dazu braucht sie hochintelligente Maschinen und extrem kreative Menschen, denn die intelligenteren Maschinen können zwar 47% aller bisherigen Jobs ersetzen, doch nicht die Kreativität. Kreative Mitarbeit statt Produktivitätsstress schafft jedoch künftig  mehr Wert als Planungssystematik und überholte QM-Raster! Das haben auch die Grosskonzerne erkannt und fördern überall kleine Innovationsteams und kreative FabLabs, in denen die Mitarbeiter kollaborativ und denken, lernen und arbeiten sollen.

Für Jeremy Rifikin ist somit die Dritte Industrielle Revolution das Zeitalter der kleinen smarten Unternehmen. Small & smart wird künftig ein Wettbewerbsvorteil, sofern damit Flexibilität, Mobilität und agiles Arbeiten verbunden sind. Das beginnt mit

  • der Verlinkung des Produkts/Leistung von der Entwicklungsphase über die Vermarktung bis hin zum permanentne Innovationsprozess mit Märkten und Menschen. Dazu gehören die Mitarbeiter und Kunden.
  • Anstatt viel Zeit, Geld und Energie in Betriebskosten zu investieren, arbeiten sie in extrem schlanken Strukturen ohne Bürokratie-Ballast. Wenige hoch qualifizierte Mitarbeiter in Eigenverantwortung gehören zum Geschäftsmodell der KMU 21.

Soweit die Theorie. Doch was bedeutet das konkret im Arbeitsalltag der Kleinunternehmen?  Sie setzen auf hohe Mitarbeiterzufriendenheit, denn nur zufriedene Mitarbeiter arbeiten intern/extern in Interaktion. Sie schaffen Knotenpunkte auf allen Ebenen zwischen der intelligenteren Software, Big Data und den Sozialen Technologien und ermöglichen selbstorganisiertes, dezentrales Arbeiten, was nicht unbedingt die soziale Vereinsamung im SOHO bedeutet. 

So können die Mitarbeiter des brasilianischen Software-Unternehmens Totvs z.B. frei bestimmen, wann und wie sie arbeiten wollen, vorausgesetzt, sie bilden ein Vierer-Team, treffen sich dreimal pro Woche im virtuellen Raum und reden miteinander, egal wo sie gerade sind;  sie stellen alle ihre Arbeiten und Beiträge (im Workforce Marketing) auf die gemeinsame interne Arbeitsplattform. Jeder soll eine seiner Kompetenzen mit den anderen Mitarbeitern im Social Learning teilen. Konkret heisst das: Train your peers.  Auch das ist Smarter Working in der Praxis.